Die Wirkung eines PR-Artikels?

Freitag, 6. Juli 2012

Im Artikel hat sich alles um Zalando gedreht. Dass so ein Artikel auch einen Einfluss auf die Suchanfragen bei Google hat zeigt folgende Grafik:

 

 

Nachstehend der Artikel im Wortlaut:

Schuhe aus dem Paket

Ein Online-Schuhverkäufer erobert derzeit von Berlin aus ganz Europa: Zalando. Vor allem Frauen zieht die Internetfirma an. Wer steht hinter dem Unternehmen, das auch in der Schweiz den Versandhandel aufmischt? Von Gordana Mijuk, Berlin


Angefangen hat alles mit Flipflops. Die zwei Studienabsolventen Robert Gentz und David Schneider starten einen Online-Versandhandel und taufen ihn Zalando. Ihre WG in Berlin ist das Lager, ihr Handy das Callcenter, die ersten Produkte: Flipflops.

Dreieinhalb Jahre später stehen die beiden Jungunternehmer an der Spitze eines Internet-Mode-Ladens mit rund 3000 Mitarbeitern und einem Umsatz von schätzungsweise einer halben Milliarde Euro. Über die Website verkauft Zalando heute über 100 000 Artikel bekannter Marken: Schuhe, Kleider und seit neustem auch Wohn-Accessoires. Die Ware stapelt sich in zwei grossen Lagern ausserhalb von Berlin. Jeden Tag verlassen Zehntausende Pakete mit Turnschuhen von Adidas, High Heels von Guess, Jeans von Pepe, Jacken von Barbour und Handtaschen von Desigual die Zalando-Lager. In Lastwagen werden sie von Berlin zu Kunden in 13 europäischen Ländern gefahren.

Robert Gentz, 28, trägt ein hellblaues Hemd, lässig, ausserhalb der Baumwollhose. Es passt zu seinen graublauen Augen. Die Haare sind nach hinten gekämmt, leicht zerzaust. «Er lässt Frauenherzen höherschlagen», schrieb die «Bild»-Zeitung vor einem Jahr in Anspielung auf den Erfolg von Zalando bei Frauen.

Schick's zurück

Mode sei nicht der Auslöser für die Gründung von Zalando gewesen. «Es ging darum, die Suchprobleme der Kunden zu lösen», sagt der Betriebswirt. Wer kennt sie nicht: Man will sich schöne Schuhe kaufen, rennt von Laden zu Laden und findet nicht die richtigen. Entweder passt der Stil nicht, die Grösse oder die Farbe. Gentz und Schneider waren getrieben von der Idee, dieses Problem mit einem Online-Schuhladen zu lösen. Sie ignorierten die gängige Ansicht, dass sich Schuhe nicht über das Internet verkaufen lassen. Sie sagten sich: Es funktioniert - wenn man es richtig macht.

Und sie machten es richtig. Sie führten etwas ein, was es im europäischen Versandhandel bis dahin kaum gab: kostenlose Lieferungen und Gratis-Rücksendungen. So war beim Einkaufen im Netz plötzlich möglich, was beim Besuch im normalen Geschäft üblich ist: Wenn dem Kunden ein Schuh nicht gefällt oder er nicht passt, gibt er ihn zurück, kostenlos. Zalando-Kunden können den gleichen Artikel in mehreren Farben und Grössen bestellen, gratis. Die Umkleidekabine wird damit quasi vom Laden in die eigenen vier Wände verschoben.

Zalando bot mehr und mehr Markenschuhe an, erweiterte das Sortiment auf Kleider und führte neben trendigen Marken auch Designerlabels ein. Das junge Unternehmen paarte das hippe Angebot mit einer schier omnipräsenten Online-Werbung sowie klugen TV-Spots, in der Frauen ungehemmt losschreien, wenn sie ein Zalando-Paket öffnen. Die Firma gewann damit eine völlig neue Klientel, die bisher mit dem verstaubten Versandhandel kaum etwas anfangen konnte. Junge, modebewusste Frauen und Männer. Die besten Kunden sind Frauen Ende 20, Anfang 30.

Witzige TV-Spots

Der Hauptsitz von Zalando befindet sich mitten in Berlin, im Kiez Prenzlauer Berg. Das ehemalige Unterwerk aus rotem Backstein sieht mit den hohen, strengen Mauern und den Bögen aus wie eine Kathedrale. Auf dem Gelände fühlt man sich wie auf einem Campus. Täglich strömen fast 2000 junge Mitarbeiter - das Durchschnittsalter ist 28 Jahre - durch zwei Drehtüren ins Firmenzentrum.

Sie nennen sich Zalandos. Kreative, Modefreaks, IT-Köpfe, Logistikexperten, Manager im Casual-Smart-Look. Sie sind jung und trendig, so wie ihre Kundschaft. In den hellen Grossraumbüros, die durch die hohen Fenster noch immer einen industriellem Charakter verströmen, spürt man vor allem eins: Hier wird gearbeitet. Die jungen Leute sitzen eng nebeneinander, schauen konzentriert in die Bildschirme, sprechen in ihre Headsets, diskutieren. Töggelikasten, Pingpongtische und Sofas stehen herum, doch dafür hat grad niemand Zeit. Man ist dabei, die Zalando-Maschinerie auf Hochtouren zu bringen.

Die Firma wächst im Eiltempo. Allein seit Anfang Jahr ist Zalando in sechs neue europäische Länder vorgestossen: Spanien, Schweden, Dänemark, Finnland, Belgien und Polen. Derzeit prüft Zalando auch die Türkei als neuen Markt. Die Expansion erfolgt stets von Berlin aus, aber mit Mitarbeitern, welche die Sprache der jeweiligen Länder sprechen, die Märkte kennen, die Vertriebskanäle, die Zahlungsgewohnheiten sowie die Vorlieben der Kunden. Auch im Kundenservice wird die Sprache vollständig auf den Kunden ausgerichtet. «Es ist toll, ich lebe in Berlin und rede den ganzen Tag Zürichdeutsch», sagt der Zürcher Pascal Schärrer, der als Kundenberater im Schweiz-Team arbeitet.

40 Autominuten nördlich von Berlin liegt ein weiteres Herzstück von Zalando: das Schuhlager Brieselang. Ein weisser, charakterloser Riesen-Quader, mitten auf einem grünen Feld. Hier lagern auf 80 000 Quadratmetern und auf kilometerlangen Regalen Abertausende Schuhschachteln mit Pumps, Ballerinas, Stiefeletten, Halbschuhen, Turnschuhen, allzeit bereit, verschickt zu werden. Die Angestellten in Brieselang sind auch Zalandos, aber andere. Es sind über 500 ehemalige Hartz-IV-Empfänger. In jeweils zwei Schichten von 6 bis 23 Uhr ordnen sie für 8 Euro 50 die Stunde Schuhschachteln ein, fahren Paletten herum, stossen Wagen durch lange Reihen und füllen die Zalando-Pakete, bevor sie in alle Himmelsrichtungen verfrachtet werden. Automatisiert ist wenig in Brieselang. «Internet-Firmen wie wir setzen auf Menschen. So sind wir flexibler», erklärt Thomas Branz, Leiter Lager und Logistik. Er hat sein Handwerk beim Logistik-Meister Amazon gelernt und trimmt jetzt das Zalando-Lager auf Tempo. Jede Online-Bestellung muss in Brieselang innert 24 Stunden abgewickelt sein.

Die Kleider von Zalando lagern in einem zweiten Lager in Grossbeeren, südlich von Berlin. Hierher gelangen auch die Retouren, anprobierte Schuhe, Blusen, Hosen. Sie werden von Fusseln und Haaren gereinigt, zerknitterte Stellen werden aufgebügelt, verunreinigte Kleider aussortiert.

Die Retouren entscheiden letztlich über das Schicksal von Zalando. Dass die Kunden die Ware gratis zurücksenden können, ist nicht nur der Hauptgrund für den Erfolg von Zalando, es ist auch die grösste Herausforderung für das Unternehmen. Übersteigt der Anteil der Retouren 60 oder 70 Prozent, werden die Kosten zu hoch und das Geschäftsmodell scheitert. Wie viel die Kunden von Zalando retournieren, ist nicht bekannt. Verschiedentlich wurde spekuliert, es seien 70 Prozent. «Das ist jenseitig», kommentiert Ivo Scherkamp, der Regionalmanager Zentraleuropa.

Zalando macht einiges, damit die Rücksendungen nicht überborden. Kleider und Schuhe sind im Internet von allen Seiten abgelichtet und werden teilweise von Mannequins in Videos vorgeführt. Ein Team mit dem Namen «Retour Think» zerbricht sich zudem am Hauptsitz den Kopf, wie die Ware plastischer dargestellt werden kann, damit der Kunde besser auswählen kann. Auch wird inzwischen in der Werbung weniger deutlich auf die Gratis-Retouren verwiesen. Heute heisst es in den TV-Spots nur noch «Schrei vor Glück» der zweite Teil «Oder schick's zurück», wurde gestrichen.

So beeindruckend die Erfolgsgeschichte von Zalando ist - noch ist unklar, ob die Rechnung aufgeht. 2010 machte Zalando einen Verlust von 20 Millionen Euro. Und angesichts der forcierten Expansion dürfte das Unternehmen noch heute in den roten Zahlen stecken. Weshalb aber diese Eile zu wachsen? Befürchtet Zalando, dass ihr Geschäftsmodell in anderen Ländern kopiert werden könnte?

Die Angst ist berechtigt. Denn auch die Geschäftsidee von Zalando ist eine Kopie, abgekupfert vom Online-Schuhverkäufer Zappos in den USA. Robert Gentz bestreitet den Vorwurf heftig: «Von Kopie zu reden, stimmt einfach nicht. Nur weil wir beide Schuhe online verkaufen, sind wir doch nicht gleich.»

Für die Kopier-Methode stehen allerdings auch die Zalando-Investoren der ersten Stunde. Die deutschen Brüder Oliver, Alexander und Marc Samwer - mit Oliver hatten die Zalando-Gründer studiert - machten sich einen Namen damit, aussichtsreiche Internet-Geschäftsmodelle aus dem Silicon Valley nach Europa zu bringen, bevor die Firmen selber ins Ausland expandieren. Ist die Kopie im europäischen Markt etabliert, wird sie verkauft. So hatten es die Samwer-Brüder mit Alando gemacht, ihrer Kopie des US-Online-Auktionshauses Ebay. Später verkauften sie Alando ausgerechnet ans Original - für satte 50 Millionen Dollar. Blüht Zalando das gleiche Schicksal? Robert Gentz schüttelt den Kopf. «Wir haben noch andere Investoren neben den Samwer-Brüdern. Keiner denkt über einen Exit nach», sagt er.

Zappos, Zalandos Vorbild, wurde 2009 vom Internet-Riesen Amazon gekauft - für 847 Millionen Dollar.

 

«Konkurrenz spürt Zalando»

Zalando bietet sein Angebot seit letztem Oktober auch der Schweizer Kundschaft an. Seither gehen in Berlin täglich mehrere tausend Bestellungen aus der Schweiz ein. Unter diesen Schweizern Zalando-Kunden ist auch die Zürcherin Sonja Brunner. Sie hat zuvor bei anderen Versandhäusern Kleider gekauft. «Zalando ist schneller, und man kann die Sachen gratis zurückschicken.» So könne man sich kostenlos gleich mehrere Grössen und Farben kommen lassen. Ausserdem sei die Auswahl an Marken gross, und man könne Designerlabels kaufen. «Ich würde mich ja nicht getrauen, in eine Designer-Boutique zu gehen.»

Zalando hat den Versandhandel in der Schweiz aufgewirbelt. Zwar spricht der Online-Laden auch hier vor allem eine neue, junge Klientel an. Doch die alten Anbieter spüren den neuen Mitspieler. «Konkurrenten wie La Redoute oder Jelmoli dürften Marktanteile verloren haben», sagt Patrick Kessler, der Präsident des Verbandes des Schweizerischen Versandhandels (VSV).

Ein Grund für den Erfolg in der Schweiz sind teilweise auch die Preise von Zalando. «Wir bieten etwa zwei Drittel unserer Produkte in der Schweiz mit deutschen Preisen und mit einem Wechselkurs von 1 Franken 20 an», sagt Ivo Scherkamp, Regional-Manager Zentraleuropa bei Zalando. Bei den restlichen Produkten halte sich Zalando an die Preisempfehlungen der Hersteller.

Die Schweiz zu beliefern, war für Zalando zu Beginn aufwendig, da komplizierte Zollbestimmungen des Nicht-EU-Mitglieds Schweiz zu beachten waren. Jeder Artikel muss verzollt werden, und die Verzollung ist bei jedem Material anders. Jedes Produkt muss zudem gewogen sein, da auch nach Gewicht verzollt wird. Im Lager von Brieselang bei Berlin musste man am Anfang viele Überstunden leisten, um die Pakete mit den nötigen Dokumenten zu verschicken.

In der Schweiz arbeitet Zalando mit der Post zusammen. Die Pakete kommen per Lastwagen einer Partnerfirma von Zalando von Berlin ins Verteilzentrum Frauenfeld. Jedes Paket, das dort vor 18 Uhr eintrifft, ist am nächsten Morgen bereits beim Kunden. Insgesamt dauert der Versand in die Schweiz drei bis fünf Tage.

Die Rücksendungen von Schweizer Kunden werden in Bülach wieder zurechtgebügelt und danach nach Berlin zurücktransportiert.

Die Schweizer sind gute Zalando-Kunden, wie am Hauptsitz gesagt wird. Sie sind zuverlässige Zahler und schicken weniger zurück als Leute aus anderen Nationen. (ami.)

 

 

 

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